Der Schwibbogen

Ein Schwibbogen ist eine typische Hochzeitstradition in Niederösterreich. Auch in Teilen Oberösterreichs ist das so genannte „Schwibbogen setzen“ gebräuchlich. Da es in den anderen Teilen Österreichs weitgehend unbekannt ist, klären wir heute darüber auf, was es mit dieser Tradition eigentlich auf sich hat.

Was ist ein Schwibbogen?

Auch mir als Wiener Kind war die Tradition des „Schwibbogensetzens“ vor meiner Hochzeit gänzlich unbekannt. Im Mostviertel, aber auch in Oberösterreich, ist dieser Brauch vor dem Heiraten aber nicht wegzudenken. Ein Schwibbogen ist ein aus Tannenreisig gewundener und mit Seidenblumen verzierter Bogen, der von den Nachbarn vor dem Haus eines Brautpaares aufgestellt wird. Ursprünglich wurde der Schwibbogen beim Elternhaus des Bräutigams aufgestellt. Er symbolisiert, dass der Sohn des Hauses bzw. des Hofes in Kürze „unter die Haube“ kommt. Der Schwibbogen soll dem jungen Brautpaar Glück für das bevorstehende Eheleben bringen.

Der Begriff „Schwibbogen“ geht auf den Namen „Schwebebogen“ aus der Architektur zurück. Dieser bezeichnet einen Stützbogen zwischen zwei Mauern. Manchmal wird er auch „Schwellbogen“ genannt.

Wie sieht ein Schwibbogen aus?

  • Die Nachbarschaft (manchmal auch Freunde und die Dorfjugend) flechten lange Girlanden aus Tannen- oder Fichtenzweigen.
  • Beim Hoftor bzw. Eingang zum Haus werden Stangen eingegraben und befestigt. Dort werden die Girlanden entlang geschwungen und aufgebunden.
  • Verbunden werden die Stangen durch eine Tafel mit der Aufschrift „Hoch dem Brautpaar“ oder „Herzliche Glückwünsche an das Brautpaar“. Auch beim Schild darf eine Verzierung aus Tannenzweigen und Seidenblumen nicht fehlen.

Wann wird der Schwibbogen aufgestellt?

Der Schwibbogen wird üblicherweise drei bis vier Wochen vor der Hochzeit „aufgeputzt“. So wird nach außen symbolisiert, dass eine Heirat ins Haus steht. Manchmal wird beim Aufstellen des Schwibbogens noch ein Liedchen angestimmt und dem Brautpaar ein kleines Geschenk für den Start ins Eheleben übergeben. Die so genannten „Aufputzer“ werden beim Aufstellen in der Regel zu einer Jause ins Haus oder später zur Hochzeit eingeladen. Jede Nachbarschaft hat hier aber ihre eigenen Gesetze und Regeln. Der Schwibbogen wird rund eine Woche nach der Hochzeit wieder umgelegt. Dieses Zusammentreffen wird dann auch wieder für ein kleines, geselliges Beisammensein genutzt.

Und die Braut?

Auch die Braut geht natürlich nicht leer aus. Während für den stolzen Bräutigam ein Schwibbogen aufgestellt wird, bekommt die Braut einen so genannten „Brautbaum„, der vor ihrem Elternhaus aufgestellt wird. Er ist mit einem Maibaum zu vergleichen: Es handelt sich um einen etwa 20 bis 30 Meter hohen Baum, wo die unteren Äste abgesägt werden. Die Baumkrone wird mit weißen Bänder geschmückt und in die Rinde werden die Namen des Brautpaares geschnitzt.

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